Bühne: Odilia Baldszun
Kostüme: Andrea Göttert
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Eugène Labiche
Übersetzung und Bearbeitung von Botho Strauß
Der Bürger Champbourcy hat ein kleines Vermögen gemacht und sich frühzeitig als Rentier zur Ruhe gesetzt. In seinem Haus treffen sich regelmäßig die besseren Bürger des Provinzstädtchens La-Ferté-sous-Jouarre zum Kartenspielen. Die Spieleinsätze wurden seit Jahr und Tag in ein Sparschwein eingezahlt, dessen Stunde nun geschlagen hat. Der Erlös soll gemeinsam auf den Kopf gehauen werden. Doch wie? Nicht ganz uneigennützig bringt der Hausherr die Idee ein, eine Reise nach Paris zu unternehmen, um die heroischen Denkmäler der Grand Nation zu besichtigen. Eigentlich hat er Zahnschmerzen und muss dringend zu einem Zahnarzt. Aber auch seine altjüngferliche Schwester Léonida hat die Finger im Spiel. Sie hat nach jahrelangen erfolglosen Heiratsannoncen endlich ein Rendezvous in der Hauptstadt, von dem selbstverständlich niemand etwas wissen darf. Mit von der Partie sind der Landwirt Colladan, der Apotheker Cordenbois, Champbourcys Tochter Blanche und deren Bräutigam Félix. Doch der scheinbar harmlose Sonntagsausflug entwickelt sich zur turbulenten Verwechslungskomödie. Die braven Bürger geraten in überteuerte Restaurants, lassen sich Korsagen für Herren aufschwatzen, bekommen Ärger mit der Polizei und landen in zwielichtigen Etablissements. Schlimm, wenn man ausgerechnet hier dem eignen Sohn begegnet. Da kann es einem schon geschehen, dass man am nächsten Morgen mit leeren Taschen hinter einem Bauzaun aufwacht…
Eugène Marin Labiche wurde am 6. Mai 1815, während Napoleons Regierung der 100 Tage, in Paris geboren. Labiche, der Rechtswissenschaft studiert hatte, begann seine schriftstellerische Laufbahn als Theaterkritiker und Autor romantischer Erzählungen. 1840 wandte er sich dem Schreiben von Komödien zu. Versuche, auf der politischen Bühne Fuß zu fassen – er war Anhänger der 48er-Revolution – scheiterten. Allerdings wurde er 1870 Bürgermeister von Sologne. Der Durchbruch als Bühnenautor gelang ihm im Jahre 1851. Von den etwa 175 entstandenen Stücken waren Labiches größte Erfolge: „Die Affäre in der Rue Lourcine“ (1857), „Die Reise des Herrn Perrichon“ (1860) und „Das Sparschwein“ (1864). Am 22. Januar 1888 starb Labiche in Paris.