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Sibylle Berg

Hauptsache Arbeit!



Einmal im Jahr ist es soweit, dann feiert die Firmenleitung eines Versicherungsunternehmens gemeinsam mit ihren Angestellten den Geschäftsjahresabschluss. Und alle sind gekommen: die Angestellten aus den verschiedenen Abteilungen und der Chef. Der eine oder andere mag durchaus gemischte Gefühle haben – von oben verordneter Frohsinn ist ja nicht jedermanns Sache.
Alkohol kann helfen, so eine Betriebsfeier zu überstehen, die Aussicht auf gutes Essen, vielleicht kommt man sich ja mit dem netten Kollegen oder der Kollegin näher. Noch ahnen die Angestellten nicht, was wirklich auf sie zukommt. Spätestens als ihr Chef ihnen dann gut gelaunt eröffnet, dass sie sich nach dem selbstverständlich biologischen Essen, in paardynamischen Spielen bewähren müssen, nimmt der Abend einen ganz anderen Verlauf. Auf dem Spiel steht nichts weniger als ihr Arbeitsplatz. Damit das Ganze unter professioneller Anleitung vonstatten geht, hat der Chef den bekannten Motivationstrainer Frank Schäfer dazu geholt. Und außerdem gibt es noch weitere Passagiere an Bord, von denen die Angestellten nichts ahnen. Leinen los für die Fahrt ins Glück, heißt es da nur noch.
Spätestens seit der TV-Serie „Stromberg“ haben wir satirische Einblicke in die Welt der Versicherungsangestellten gewinnen können. Die preisgekrönte Autorin Sibylle Berg, ihr jüngster Roman „Der Mann schläft“ war 2009 für den Deutschen Buchpreis nominiert, geht allerdings noch weiter als die Autoren der Kultserie, wenn sie ihre Angestellten im Rahmen der Abschlussfeier eines Versicherungsunternehmens auf die Fahrt auf einem Vergnügungsschiff schickt. Bitterböse und geichzeitig voller Komik ist ihr Blick auf die Menschen, die ihre Arbeitskraft und Lebenszeit einem Unternehmen überlassen. Der Konkurrenzkampf und Profilierungsdruck, dem sich diese ganz normalen Angestellten ausgesetzt sehen, hört auch nach Feierabend nicht auf. Optimierung in allen Lebenslagen ist das Credo und so werden Freizeitvergnügen, Hobbys, die Partnerwahl, das Essen, das sie täglich ihrem Körper zur Erhaltung der Arbeitskraft zuführen – einfach alles, dem Diktat des Erfolges unterworfen.